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Alkohol

Was ist die Einstellung von Lernenden zu Alkohol? Wie kann ein Unternehmen reagieren und Lernende unterstützen? Finden Sie hier umfassende Informationen und Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz bis hin zum gesetzlichen Rahmen.

Alkohol Apprentice

Alkohol am Arbeitsplatz

Hier finden Sie umfassende Informationen zum Thema «Alkohol am Arbeitsplatz». Der Inhalt richtet sich an Berufsbildungsverantwortliche, die Lernende ausbilden. Wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchte, finden Sie zusätzliche Informationen bei Sucht Schweiz.

Jugendlicher Alkoholkonsum

Wie viele Jugendliche trinken Alkohol?
Knapp die Hälfte der Männer und etwa ein Drittel der Frauen im Alter von 15 bis 24 trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol (SGB 2022). 
Ein Viertel aller 15-Jährigen gibt an, im letzten Monat an einem oder zwei Wochentagen Alkohol getrunken zu haben. Etwa 18% geben an, an drei oder mehr Tagen pro Woche zu trinken (HBSC 2022).
Jugendliche unter 16 Jahren sollten gar keinen Alkohol trinken. Deshalb verbietet der Jugendschutz den Verkauf und den Ausschank von Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren. In diesem Alter ist es «normal», Alkohol probieren zu wollen. Es sollte daraus aber keinesfalls eine Gewohnheit werden.

Was versteht man unter «risikoreichem» Konsum?

  • Zu viel: In zu grossen Mengen konsumiert, kann Alkohol die Körperfunktionen sowie die Reaktions-, Urteils- und Koordinationsfähigkeit beeinträchtigen. Das Risiko für Unfälle, gewalttätiges Verhalten oder unerwünschte und ungeschützte sexuelle Kontakte erhöht sich. Bei den Jugendlichen ist diese Art von Risikokonsum die häufigste, oft auch Binge-Drinking genannt. 
  • Zu häufig: Langfristig kann ein häufiger Alkoholkonsum zu schweren gesundheitlichen Schädigungen führen. Diese Art von Risikokonsum betrifft häufig ältere Menschen. 
  • Im falschen Moment: Vor oder während der Arbeit, vor dem Autofahren, dem Sport usw. birgt Alkoholkonsum grosse Risiken.

Weiterführende Informationen:

  • Flyer Alkohol: Informationen für Jugendliche von Sucht Schweiz
  • Zahlen und Fakten zu Alkohol: Informationen zu Alkohol, Wirkung, Risiken, Konsum, Folgen, Markt, rechtliche Grundlagen und Prävention von Sucht Schweiz
  • Alkohol: Informationen zu Alkohol mit interaktiven Grafiken und Links zu umfassenden Datenquellen von MonAM (Monitoring-System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten, ein Kooperationsprojekt von BAG und Obsan)
Alkohol am Arbeitsplatz: Was kann das Unternehmen tun?

Klare Regeln aufstellen
Jedes Unternehmen hat formale Regeln sowie eine informelle Praxis. Die Art und Weise, wie in einem Unternehmen mit Alkoholkonsum umgegangen wird, hat insofern Vorbildcharakter für die Lernenden. Alkohol am Arbeitsplatz ist in den meisten Fällen unangebracht: Der Konsum hat einen negativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, die Leistungen sowie die Gesundheit. 
Im Rahmen eines kohärenten betrieblichen Präventionsprogramms sollten folgende Regeln etabliert werden: 

  • Striktes Alkoholverbot vor und während der Arbeitszeit.
  • Den Zugang zu Alkohol während der Arbeit einschränken.
  • Sich darüber Gedanken machen, welcher Platz Alkohol bei Festlichkeiten oder in den Pausenräumen des Unternehmens haben soll. 

Diese Regeln müssen für alle Arbeitnehmenden gleichermassen gelten, Lernende eingeschlossen. Sie müssen klar kommuniziert und erklärt werden, um ihre Wirkung zu zeigen. 

Das Arbeitsklima verbessern
Das Arbeitsumfeld spielt eine grosse Rolle bei der Entwicklung von Konsumproblemen. Als Berufsbilder*in haben Sie die Möglichkeit, direkt auf das Arbeitsklima und das Wohlbefinden der Lernenden einzuwirken. Das Arbeitsvolumen, der arbeitsbedingte Stress, die Wertschätzung, die Beziehungen unter Arbeitskolleg*innen oder mit den Vorgesetzten sind zusätzliche Elemente, die Sie positiv beeinflussen können.  

Hilfe anbieten
Neben einem klaren Reglement ist es aber auch wichtig, falls nötig Hilfe und Unterstützung anzubieten. Jugendliche mit Alkohol- oder anderen Konsumproblemen sollten wissen, an wen sie sich wenden können. Umgekehrt sollten Vorgesetzte im Falle eines besorgniserregenden Verhaltens eines Lerneden nicht zögern und ihn darauf ansprechen.

Weiterführende Informationen:

Rat und Hilfe

Sich Fragen über den eigenen Alkoholkonsum oder den einer nahestehenden Person oder eines Lernenden zu stellen, ist nicht einfach. Sich von Online-Tools oder Fachleuten dabei helfen zu lassen, kann sich oft als sehr nützlich erweisen.

Entdecken Sie Angebote und Werkzeuge für Hilfe und Unterstützung:

  • SafeZone.ch: Online-Beratung zu Suchtfragen für Betroffene, deren Angehörige und Fachpersonen
  • My Drink Control: Selbsttest zur Einschätzung des eigenen Umgangs mit Alkohol
  • Pro Juventute: Beratung für Jugendliche, vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr, Tel. 147
  • mamatrinkt.ch / papatrinkt.ch: Für Jugendliche, die mit einem suchtkranken Elternteil leben. Auf dieser Website finden Jugendliche Informationen über Alkoholabhängigkeit, wertvolle Adressen sowie ein Forum, in dem sie sich mit anderen Jugendlichen austauschen können.  
  • Kantonale Anlaufstellen: Informieren Sie sich über die Angebote in Ihrer Nähe.
Weiterbildungsangebote

Möchten Sie sich weiterbilden in der Thematik «Alkohol und Jugendliche»? 

  • Prev@WORK: Prev@WORK ist ein Programm zur Stärkung der psychischen Gesundheit und Suchtprävention (Alkohol, Tabak, Cannabis, Geldspiel usw.), welches sich an junge Erwachsene in der Berufsausbildung in Betrieben richtet. Sucht Schweiz bildet Multiplikatoren und Multiplikatorinnen aus, die zertifiziert werden, um Prev@WORK Präventionsseminare für Lernende anzubieten. Auch Weiterbildungen und Schulungen für Berufsbildner und Berufsbildnerinnen sind möglich.  
  • Kantonale Anlaufstellen: Unter folgendem Link finden Sie Weiterbildungsangebote in Ihrem Kanton
  • Apprentice - Weiterbildung «Happiness»: Psychische Gesundheit von Lernenden»: Weiterbildung zur Stärkung psychisch gesunder Lernender
Alkohol und Lehrzeit: Wie reagieren?

Der Substanzkonsum während der Adoleszenz kann schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen haben. Es ist deshalb besonders wichtig, Jugendliche in schwierigen Situationen anzusprechen und zu unterstützen. 
Als Berufsbildende begegnen Sie Ihren Lernenden oft und spielen somit eine bedeutende Rolle in der Früherkennung und Frühintervention. Ein Konsumproblem zu erkennen, ist nicht einfach, es anzusprechen, noch weniger. 

Einige Tipps für Sie: 

  • Begegnung auf Augenhöhe: Die Jugendlichen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen, hilft dabei, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen. Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis, um über Konsumprobleme sprechen zu können. Seien Sie aufmerksam und verfügbar, und bieten Sie den Jugendlichen Ihr offenes Ohr an. 
     
  • Veränderungen aufmerksam wahrnehmen: Wenn ein Alkoholmissbrauch vorliegt, kann sich das Verhalten, die Einstellung oder die Leistung verändern (Absentismus, Schläfrigkeit, Verspätungen, Konzentrationsmangel usw.).  Diese Veränderungen können ein Hinweis auf einen problematischen Konsum sein, sie sind jedoch keinesfalls ein Beweis dafür. Sie stehen als Zeichen für ein Problem, das sich negativ auf den Arbeitsalltag auswirkt, und verdienen Aufmerksamkeit. Falls Ihnen solche Veränderungen auffallen, nehmen Sie sie ernst und warten Sie nicht länger, um mit dem oder der Jugendlichen darüber zu sprechen. 
     
  • Wie ansprechen? Ein Gespräch zu einem schwierigen Thema zu führen, ist nie einfach oder angenehm. Beschreiben Sie nur die negativen Veränderungen, die Sie im Verhalten der Jugendlichen bei der Arbeit beobachtet haben, und äussern Sie keinen Konsumverdacht. Ziel des Gesprächs soll sein, den Jugendlichen ihr Verhalten bewusst zu machen und sie für Veränderungen zu motivieren – natürlich, indem ihnen auch Unterstützung angeboten wird. 
    Anstatt sich auf den Alkoholkonsum zu fokussieren, versuchen Sie, die ganze Lebenssituation der Jugendlichen ins Gespräch einzubeziehen: ihre Sorgen, Befürchtungen sowie ihre Wünsche usw. 
    Wie sieht das konkret aus?
    Beispiel-Video für ein Gespräch von Sucht Schweiz
     
  • Nächste Schritte: Auch wenn Sie eine wichtige Rolle bei der Erkennung einer schwierigen Situation und in der Begleitung und Unterstützung spielen, sind Sie keine Fachperson für Suchtfragen. Zögern Sie deshalb nicht, die Jugendlichen an eine spezialisierte Adresse weiterzuweisen. 

Ratgeber: Suchtmittelkonsum während der Lehrzeit: Wie man vorbeugen und reagieren kann. Ein Ratgeber für Ausbildungsverantwortliche.

Ein Lernender oder eine Lernende kommt alkoholisiert zur Arbeit. Wie reagieren?

Der Arbeitgeber, die Arbeitgeberin hat die Pflicht, das Einhalten der Sicherheitsmassnahmen zur Unfallverhütung gewissenhaft zu überwachen. Wenn Lernende nicht in der Lage zu sein scheinen, ihre Arbeit auszuführen, aus welchem Grund auch immer (Alkohol, Drogen, usw.), liegt es in der Verantwortung der Berufsbildner*innen, sie aufzufordern, die Arbeit zu stoppen. 
Achtung: Falls Alkoholeinfluss der Grund für die Arbeitsunfähigkeit ist, muss dafür gesorgt werden, dass die betreffende Person nicht mehr Auto fährt, um nach Hause zu kommen. 

  • Alkohol am Arbeitsplatz - Videos: Schauen Sie sich diese Videos an, die konkrete Situationen und verschiedene Lösungsansätze aufzeigen. 
  • Wie reagieren? Organisieren Sie in den nächsten Tagen eine Aussprache mit der oder dem Lernenden. Auf der Website www.alkoholamarbeitsplatz.ch finden Sie wertvolle Tipps, um mit einer solchen Situation umzugehen. 
Gesetzlicher Rahmen

Alkoholverkauf
In der ganzen Schweiz ist der Alkoholverkauf an Jugendliche unter 16 Jahren verboten (Tessin: 18 Jahre). 
Der Verkauf von Bier, Wein und saurem Most ist ab 16 Jahren erlaubt, Spirituosen und Alcopops hingegen erst ab 18 Jahren. 
Auch wenn diese gesetzlichen Auflagen klar sind, zeigen Testkäufe in verschiedenen Regionen, dass das Gesetz nur teilweise umgesetzt wird und es relativ einfach ist, sich als Jugendlicher Alkohol zu beschaffen.

Werbung
Die Schweizer Alkoholindustrie investierte im Jahr 2021 42 Millionen Franken in Werbung. Die Werbung für alkoholische Getränke, welche sich speziell an Jugendliche richtet, ist in der Schweiz verboten. Obschon auch hier die Rahmenbedingungen eindeutig sind, sind Jugendliche häufig «versteckter» Werbung ausgesetzt: Bilder, Sprache und Musik funktionieren als Übermittler. Jugendliche reagieren besonders sensibel auf diese Marketingstrategien.

Jugendschutz
Kantonale gesetzliche Bestimmungen im Bereich Jugendschutz sehen beispielsweise vor, dass die Erteilung von Betriebsgenehmigungen einem Jugendschutzkonzept unterliegt. Sie können auch den Rabatt auf Alkohol einschränken oder «Flate-rate»- oder «all you can drink»-Party verbieten.

Alkohol am Arbeitsplatz
Da der Konsum von Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen die Arbeitssicherheit gefährden kann, gibt es sowohl für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmenden gesetzliche Vorschriften.

Das Arbeitsgesetz verpflichtet die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber, die Gesundheit aller Arbeitnehmenden sowie von Personen in Ausbildung zu schützen. 

Die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber hat dementsprechend die Verantwortung, zu überwachen, dass niemand unter Alkoholeinfluss arbeitet und infolgedessen sich selbst oder andere gefährdet. 

Um über den gesetzlichen Rahmen hinaus Regeln zu definieren, finden sich Informationen auf der Webseite «Alkohol am Arbeitsplatz» von Sucht Schweiz und in der Verordnung zur Unfallprävention.

FAQ

Häufig gestellte Fragen von Fachpersonen von Sucht Schweiz beantwortet:

Gibt es Beratungsangebote spezifisch für Jugendliche, an die sie sich wenden können?

  • Auf der Website www.feel-ok.ch erhalten Jugendliche Informationen zu verschiedenen Suchtmitteln. 
  • Grundsätzlich kann man sich in regionalen Beratungsstellen beraten lassen. Adressen finden Sie hier: www.suchtindex.ch

Apéros mit Lernenden: Wie soll/kann man dabei reagieren, wenn der Konsum zu stark wird. Ab wann macht es Sinn hier überhaupt zu intervenieren?
Die Frage bezüglich Apéros ist sehr wichtig, diese gilt jedoch grundsätzlich für alle Mitarbeitenden. Es macht Sinn, sich auch bereits vor den Apéros mit der Betriebskultur auseinanderzusetzen. 

  • Welche Rolle nimmt Alkohol bei Betriebs-Events ein? 
  • Kann man dabei evtl. auf Alkohol verzichten? 
  • Stellt man Alkohol in reduziertem Masse zur Verfügung? 

Wichtig ist auch, dass die erwachsenen Mitarbeitenden hier eine Vorbildfunktion einnehmen. Trinkt eine Person an einem Anlass deutlich zu viel und verhält sich entsprechend «unangenehm», kann man dies natürlich in den Folgetagen ansprechen und die Sorgen äussern.

Woran erkenne ich, dass ein(e) Lernende(r) ein Problem im Umgang mit Alkohol hat (möglicherweise ein Alkoholproblem hat)?
Das ist kein einfaches Thema. Wenn Alkoholprobleme vorliegen, können sich diese ganz unterschiedlich präsentieren. In Bezug auf die Arbeitsleistung können möglicherweise folgende Veränderungen beobachtet werden: 

  • Fehlende Präzision
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Zunehmende Kurzabsenzen
  • Verminderung der Arbeitsmotivation und des beruflichen Engagements
  • Zunehmende Vergesslichkeit
  • Unberechenbares Verhalten und auffallende Unruhe
  • Zunehmende Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit 

Aber hierbei ist Vorsicht geboten: Diese Symptome können auch bei anderen Ursachen, bzw. anderen persönlichen Problemen auftreten (familiäre Probleme, Liebeskummer etc.). 
Es ist nicht das Ziel, ein Alkoholproblem festzustellen, sondern die möglicherweise auftretenden Probleme in Bezug auf die Arbeitsleistung anzugehen. 
Beobachten Sie also entsprechende Verhaltens- und Leistungsveränderungen. Es macht Sinn, die Person darauf anzusprechen und selber zu fragen, was die Ursache dafür sein könnte. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein mögliches Alkoholproblem bei einem Lernenden / einer Lernenden anzusprechen?
Grundsätzlich gilt: lieber einmal zu viel auf Beobachtungen ansprechen, als zu wenig. Sobald sich das Verhalten bzw. die Leistungsfähigkeit verändert, macht es wahrscheinlich Sinn ein Gespräch zu suchen. Es sind diese Veränderungen, auf die erwachsene Personen aus dem Umfeld reagieren müssen. Berufsbildner*innen können sich so auf objektive Elemente beziehen und wissen, wann und worauf sie konkret reagieren müssen. Ein Beispiel für ein entsprechendes Gespräch finden Sie hier.

Welche Konsequenzen hat es, wenn Jugendliche regelmässig Alkohol konsumieren?
Die Konsequenzen bezüglich regelmäßigem Konsum können sehr vielfältig sein. Dabei kommt es auch darauf an, welche Motivation dem Konsum zugrunde liegt. Z.B. trinkt jemand, um mit Stress umzugehen? Oder handelt es sich um eine vorübergehende Phase, in der Jugendliche sich in neuen Gruppen zurechtfinden oder Grenzen testen? Je nachdem, welche «Rolle» der Alkohol einnimmt, werden sich die Konsequenzen unterschiedlich präsentieren. Jugendliche befinden sich noch in der Entwicklung: Körper und Gehirn sind noch nicht ausgereift. Alkohol hat somit eine stärkere Wirkung. Nicht zu vergessen: unter Einfluss von Alkohol nimmt die Risikobereitschaft zu, was zu weiterführenden Konsequenzen führen kann (sexuell, Gewaltbereitschaft, Unfälle etc.). 

Wie sollte ich als Berufsbildnerin reagieren, wenn ein(e) Lernende(r) zu mir kommt und von Problemen erzählt, die er/sie zu Hause mit einem Elternteil hat, der oft alkoholisiert ist?
Wenn sich ein/e Lernende/r an Sie richtet und diese sehr persönliche Situation teilt, signalisiert er/sie, dass Sie eine wichtige Vertrauensperson sind.  Für Kinder von suchtbelasteten Eltern ist es sehr wichtig, dass sie Ihre Situation mit Vertrauenspersonen teilen können, um sich selbst zu entlasten. 
Auf der Website mamatrinkt.ch finden Kinder und Jugendliche Unterstützung für diese spezifische Situation. Möglicherweise können Sie die Website mit dem/der Lernenden gemeinsam entdecken. Sie können mit ihm/ihr folgende Aspekte besprechen: Ist er/sie in Sicherheit (Stichwort Gewalt)? Gibt es weitere Personen im Umfeld, mit denen er/sie darüber sprechen kann (z.B. Patentante, Freunde etc.)? Falls Bedarf vorhanden, können Sie Adressen für Beratungsstellen heraussuchen, um weiterführende Unterstützung zu erhalten.

Ab wann ist man eigentlich «Alkoholiker»? Bzw. gibt es bei Jugendlichen eine andere Definition zu Alkoholiker, da sie noch in der Entwicklung sind? 
Zuerst ganz allgemein zu Ihrer Frage zur Alkoholabhängigkeit: Für die Diagnose Alkoholabhängigkeit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgende Kriterien festgelegt: 

  • Ein starkes Verlangen, Alkohol zu konsumieren 
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren 
  • Anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen 
  • Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben 
  • Entwicklung einer Toleranzerhöhung 
  • Körperliches Entzugssyndrom 

Eine Alkoholabhängigkeit wird dann von einem Arzt/einer Ärztin diagnostiziert, wenn im letzten Jahr drei oder mehr dieser Kriterien gleichzeitig erfüllt waren.
Die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit ist häufig ein Prozess, der über Jahre dauert. 
Bei Jugendlichen ist es daher wichtig, bereits bei problematischem/risikoreichen Konsum darauf zu sensibilisieren, um eine Suchtentwicklung möglichst zu verhindern.  
Da sich Jugendliche in der Entwicklungsphase befinden, kann bereits problematischer Konsum, beispielsweise häufiges «Rauschtrinken» negative Effekte auf die Gehirnentwicklung nehmen. 

Wie kann ich als Berufsbildende Lernende präventiv zur Alkoholproblematik sensibilisieren?
Es gibt verschiedene regionale Suchtpräventionsstellen, die Workshops oder Präventionsseminare in Betrieben anbieten. Eine Liste von Fachstellen finden Sie beispielsweise auf der Website www.alkoholamarbeitsplatz.ch
Hier finden Sie zudem Informationen zum Präventionsprogramm Prev@WORK, welches auf Lernende ausgerichtet ist. 
Idealerweise wird so systematisch und strukturell Prävention im Betrieb verankert. Vielleicht können Sie sich mit Ihren Vorgesetzten/Personalverantwortlichen für eine entsprechende Zusammenarbeit mit Präventionsstellen einsetzen?  

Ein/e Lernende*r kommt alkoholisiert zur Arbeit. Wie sollte ein Berufsbildungsexperte reagieren?
Sie können den Lernenden in Ruhe empfangen und in einem ersten Schritt das Gespräch suchen. Wenn Sie sicher sind, dass die Person unter Alkoholeinfluss steht, ist sie nicht arbeitsfähig und darf der Arbeit nicht nachgehen. Sie haben die Verantwortung dafür, dass die Person sicher nach Hause kommt. D.h. möglicherweise muss eine Person den/die Lernend*e begleiten oder Sie organisieren ein Taxi. In einem nächsten Schritt wird erneut das Gespräch gesucht, um über die Situation zu sprechen. Da kommt es natürlich darauf an, ob es sich um eine «Ausnahmesituation» handelt oder um einen «Wiederholungsfall». Weitere Informationen zur Gesprächsführung finden Sie auch hier.

Die Inhalte zum Thema Alkohol entstanden in Zusammenarbeit mit Sucht Schweiz.